Dies ist eine Veröffentlichung in der Rubrik Piratengedanken.

Piratengedanken sind Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder. Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung! 

 

 

Die angebliche Frauendiskriminierung bei den Piraten – eine Feststellung

Nach dem Wahlerfolg der Piraten in Berlin überschlugen sich die Kritiken in der Presse – mal zum Positiven, mal zum Negativen, und zumeist tauchen dabei zwei falsche Thesen auf: Die eine, die Piraten wären eine Internetpartei (dabei wissen die Fachkundigen schon lange, dass das Internet mittlerweile nur noch ein Thema am Rande ist) und die andere, dass die Piraten, ewig als Partei für junge Männer dargestellt,  frauenfeindlich und -diskriminierend seien. Zu letzterem Punkt möchte ich als Frau, 42, Akademikerin und Pirat (ohne „in“), Stellung beziehen.  
 
Ausgangspunkt der steilen These ist die Tatsache, dass in der Piratenfraktion im Berliner Landtag in Zukunft von 15 gewählten Abgeordneten genau 14 männlich und nur eine weiblich sind. Schuld daran sei die nicht vorhandene Frauenquote und deswegen muss die Piratenpartei in den Augen der Journaille frauenfeindlich sein. Dem ist aber nicht so – zumindest nicht aus meiner Sicht.
 
Viel interessanter ist doch die Tatsache, dass alle etablierten Parteien sog. Quotenfrauen brauchen, damit Frauen in diesen Parteien überhaupt in Amt und Würden gelangen können. Es ist nämlich auch bei den Etablierten so, dass nur wenige Frauen, aber um so mehr Männer in der Politik tätig sind. Diese anteilsmäßig wenigen Frauen bekleiden – völlig unabhängig von ihrer Qualifikation – nur aufgrund ihres Geschlechts irgendwelche Parteiämter. Da stelle ich mir schon die Frage, wie emanzipiert und gleichberechtigt Frauen in diesen Parteien sind. Ist es nicht eher diskriminierend, dass Frauen in diesen Parteien überhaupt eine Quote benötigen, damit sie welche Ämter auch immer bekleiden können?!
Dennoch gehen die Schreiber der Medien vehement gegen jede Form von Nicht-Quotierung vor und schreiben diese nieder. Ein Pirat hat diesem Umstand in einer Twitterbotschaft auf den Punkt gebracht: „Muss ich mich demnächst als Pirat in ein Parlament wählen lassen, nur weil ich Titten habe?“  
Offensichtlich möchte dieser Pirat weiblicher Natur sich gar nicht erst in ein Parlament wählen lassen, und aufgrund dieser Tatsache muss man sich nun gegen eine Diskriminierung verteidigen die nicht innerhalb der Piraten herrscht, sondern von Außen herangetragen wird. Damit kommen wir dem Umstand näher, dass auch die etablierten Parteien Quoten einrichten müssen, um irgendwie einen Frauenmindestanteil zu garantieren. Aber warum ist das so? Warum gibt es so wenige, qualifizierte Frauen, die ein öffentliches Mandat anstreben wollen?
 
An dieser Stelle kann ich zwar nicht für alle Frauen sprechen, sondern nur für meine Person, aber aus vielen Gesprächen mit meinen Geschlechtsgenossinnen weiß ich, dass viele von ihnen meinen Standpunkt, den ich gleich darlegen werde, teilen.  
Der Hauptgrund, warum ich – als Frau – davor zurückschrecken würde, für ein öffentliches Amt zu kandidieren, ist die Presse mit ihren schmierigen Kampagnen. Und damit meine ich nicht nur die sog. Boulevardpresse (mit der könnte man ja noch leben), nein, sondern insbesondere die sog. Qualitätspresse, die diesen Anspruch schon lange nicht mehr erfüllt, sondern sich ebenfalls auf einem Niveau tummelt, das man allenfalls als unterirdisch bezeichnen kann.  
Ich möchte dies an dem Fall Böttcher (mittlerweile zurückgetretener CDU-Politiker aus Niedersachsen) einmal verdeutlichen, auch wenn dies ein Mann ist. Dafür ist der Fall symptomatisch für eine völlig desolate Medienlandschaft und verdeutlicht um so intensiver, warum es für intelligente Frauen eher abschreckend ist, sich in ein öffentliches Amt wählen zu lassen.  
Der Mann - also besager Herr Böttcher - hatte in seinem 39. Lebensjahr eine Affäre mit einer 16jährigen. Da beide Beteiligten freiwillig bei der Sache waren, ist dies eine Privatsache, welche nur die junge Frau, den Herrn Böttcher und vielleicht auch noch seine damalige Verlobte und heutige Ehefrau etwas angehen würde. Aber die Medien heutzutage meinen, ihre Nase in alles und jedes reinstecken zu müssen und über Dinge zu berichten, die allenfalls etwas auf Klowänden zu suchen haben. Nehmen wir mal die sog. „Qualitätspresse“ wie Spiegel-Online. Dort war man sich nicht zu Schade, von einer sog. Lolita-Affäre zu sprechen. Nun muss man aber wissen, dass Lolita eine literarische Figur aus dem Jahre 1955 ist, ein zwölfjähriges Mädchen, welches zwangsweise eine sexuelle Beziehung zu einem Erwachsenen unterhält. Wenn man sich jetzt noch vergegenwärtigt, dass die Menarche zu dieser Zeit  bei 13- bis 14jährigen Mädchen eingesetzt hat und heute bereits bei 10jährigen einsetzt, müsste man das heutige Lolitaalter (um der Intention des Romans gerecht zu werden) bei acht bis zehn Jahren ansetzten. Soviel zum lit. Hintergrund. Wenn Spiegel-Online-Journalisten einem Mann eine Lolita-Affäre unterstellen, dann rücken sie in notgeilster und widerlichster Manier diesen Mann, der gegen keinerlei Gesetzte verstoßen hat, in das Licht eines abartigen Kinderschänders. So krank ist es derzeit um die deutsche Journaille bestellt. Es wird nicht mehr darüber berichtet, ob jemand gute oder schlechte Politik macht, nein, es werden private Details aus dem Leben der Politiker ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt und diese werden dann auch noch in einer völlig kaputten und faktenverzerrender Manier zum Besten gegeben. An dieser Stelle möchte ich die Frage aufwerfen: Wie ekelig und schmierig ist das denn? Und welche halbwegs intelligente Frau tut sich so etwas freiwillig an? Ich für meinen Teil habe dazu wenig Lust. Während in Norwegen eine alleinerziehende Mutter sogar den dortigen Kronprinzen heiraten kann, kann sie hier nicht einmal ein öffentliches Amt bekleiden, weil sie davon ausgehen muss, dass irgendein Schmierfink in ihrer Vergangenheit herum wühlt und den Vater und Ex womöglich noch als grässlichen Fehltritt an Licht zerrt und damit nicht nur die Frau sondern auch noch deren Kinder erniedrigt.  
Oder nehmen wir eine junge, reife und intelligente Frau, die als 16jährige einen 39jährigen Spitzenpolitiker flach gelegt hat, was zwar ihr gutes Recht war, aber in der Presse nur dazuführt, dass sie regelrecht als Kindnutte dargestellt werden würde – unabhängig davon, wie gut und zukunftsweisend ihr Politikverständnis wäre.  
 
Es ist die Art und Weise, wie die Journaille mit Personen in der Öffentlichkeit umgeht, die eine Frau wie mich von jedweder Kandidatur abhalten würde. Diese Art des kaputten Journalismus in diesem Land können nur wenige Menschen ertragen – und offensichtlich mehr Männer als Frauen. Damit wird jedoch dem Land insgesamt unermesslicher Schaden zugefügt, weil nur noch solche Leute für öffentliche Ämter kandidieren, die solche Affären einfach aussitzen können oder so aalglatt und langweilig sind, dass sie erst gar keine Angriffsflächen bieten. Visionen für eine tragfähige Zukunft wird man bei diesen Menschen kaum finden und das politische Können dieser Personen wird zweitrangig, sofern man solches bei Aussitzern überhaupt noch finden kann (siehe Westerwelle).
 
Es ist also kein Phänomen bei den Piraten, dass es so wenige Frauen gibt, die öffentliche Ämter bekleiden wollen, es ist das Klima, welches von den Medien dieses Landes geschaffen wird, das Frauen wie mich davon abhält.  
Ich frage hier ernsthaft: Wie verkommen ist eine Medienlandschaft, die eine legale Beziehung eines Politikers zum Skandal erhebt und damit seinen Rücktritt erzwingt, während der eigentliche  Skandal in diesem Land doch der ist, dass wir derzeit kein gültiges Wahlrecht haben? Warum gab es zig Artikel an nur einem Tag zu einem schlüpfrigen Klowandthema (bis das Ziel Rücktritt erreicht ist), das niemanden zu interessieren hat, während der demokratische Sterbeprozess in diesem Land totgeschwiegen wird? Warum gibt es nicht täglich zig Artikel zum demokratischen Versagen von Regierung und Opposition in diesem Land – solange bis das Ziel mehr Demokratie erreicht ist?  
 
Wenn die Presse in diesem Land endlich wieder Fahrt in Richtung Qualität aufnimmt und sich auf ihre Aufgabe, Politik zu kommentieren und nicht Politiker mit Dreck zu bewerfen, besinnt, dann werden sich – aus meiner Sicht - auch genug Frauen finden, die sich nicht nur politisch engagieren wollen, sondern die sich bereit erklären, öffentliche Ämter zu bekleiden. Dazu wird es dann auch keiner Quote bedürfen.  
Es muss wieder möglich sein, Politik zu machen und das Privatleben der Politiker unangetastet zu lassen. Und es muss möglich sein, dass Leute Politik machen, die keinen perfekten, aalglatten Lebenslauf haben. Brüche in einer Vita gehören doch eher zum Leben dazu, das muss wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Ich wage übrigens zu behaupten, dass die Piraten die einzige Partei ist, die es ertragen könnte, eine vermeintlich skandalumwitterte Person in einem öffentlichen Amt zu halten, wenn diese Person ansonsten integer und fachlich geeignet ist. Das könnte einer ihrer größten Stärken sein.  
 
Ich möchte am Ende noch erwähnen, warum ich die Piraten als besonders frauenfreundlich empfinde: Die Piraten wollen Frauen nicht in ein Schema pressen, sondern diesen die Möglichkeit bieten, sich so zu entfalten wie sie es wollen und für richtig halten.
Derzeit ist es doch so: Die einen wollen unbedingt, dass Frauen trotz Kinder berufstätig sind oder anderweitig einem karriereorientierten Weg nachgehen, die anderen möchten – einem klassischen Familienbild nachhängend – Frauen möglichst zu Hause sehen. Mich ödet dieses wenn-oder-aber an. Bei den Piraten fühle ich mich deswegen so gut aufgehoben, weil ich keinem dieser Bilder entsprechen muss. Möchte ich berufstätig sein, bin ich nicht die Rabenmutter, die ihre armen, armen Kinder vernachlässigt; aber ich werde auch nicht als Heimchen am Herd gehandelt, wenn ich zu Hause bleiben möchte. Stattdessen kann ich mich völlig frei entfalten, so wie es mir als Frau und Mutter am Besten und vernünftigsten erscheint ohne irgendein Rollenklischee. Und sollte ich mich trotz der widrigen Umstände doch entschließen, für ein Amt zu kandidieren, so würde ich in dieses Amt gewählt werden, nicht weil ich Titten habe und eine absurde Quote erfüllen muss, sondern einzig und allein (völlig geschlechtsunabhängig), weil man mich für fähig hält. Das nenne ich frauenfreundlich.
 
Martina, 42, Pirat.

Kommentare

Genderdebatte... da war doch was?

Für mich als Piratin macht es sehr viel Spaß, sich aktiv in politische Themen zu engagieren. Als Piratin bin ich auch gerne gesehen an Infoständen, beim Verteilen von Flyern und ähnlichen Öffentlichkeitsarbeiten. Keine Frage. Allerdings habe ich festgestellt, dass innerhalb der Piraten Frauen zwar immer herzlich willkommen sind. Aber wehe, die Piratinnen machen je ihren Mund auf und bringen auch mal ihre Ideen ein. Da werden sie gerne übergangen und unter den Tisch geredet. Natürlich sind die Piraten allgemein schon sehr diskussionsfreudig, keine Frage. Allerdings habe ich als Frau festgestellt, dass es in der Praxis vor Ort oftmals einen großen Unterschied gibt zwischen den Ideen und Argumenten von männlichen Piraten und von weiblichen Piraten. Als Frau muss ich bei den Piraten oftmals kämpfen, und zwar gegen männliche Piraten, angefangen bei der eigenen Ortsgruppe. Das ermüdet unglaublich und raubt sehr viel Energie und Enthusiasmus. Die von den Piraten propagierte Gendereinheit schaut für mich anders aus. Momentan überlege ich mir ernsthaft, ob ich bei den Piraten mal für 2-3 Jahre in den Pausenmodus gehe. Vielleicht sind bis dahin die (derzeit noch vorhandenen) männlichen Kindergartenkrankheiten ausgestanden, und eine ernsthafte Mitarbeit als Frau bei den Piraten ist dann evtl. möglich. Und zwar nicht nur als Quotenfrau beim regionalen Infostand oder beim Flyer verteilen, sondern als ernsthafte Mitarbeiterin, die Ideen erfolgreich einbringt und auch etwas bewegen kann. Ich freue mich für jeden regionalen Verband, bei dem Frauenfeindlichkeit absolut kein Thema ist. Dummerweise ist es manchmal Realität, und das hat nichts mit aussenstehenden Bereichen wie z.B. die Presse zu tun. Die Frauenfeindlichkeit fängt bereits auf der eigenen Fußmatte an.

Berichtigung

Sie meinen Christian von Boetticher, den CDU-Politiker in Schleswig-Holstein!

pirat

So ganz verstehen kann ich die Begründung nicht. Die Argumente, sich nicht für ein Parteiamt zu bewerben, sind zwar absolut nachvollziehbar, aber doch nicht frauenspezifisch. Sprich: Warum hält das Frauen eher ab als Männer? Sind Frauen klüger oder Männer leidensfähiger?

Mal etwas losgelöst vom Thema: Was ist der Hintergrund, sich als weibliches Parteimitglied nicht als "Piratin" sondern als "Pirat" zu bezeichnen? Ich kann zwar sehr gut verstehen, dass man diese politisch korrekten Plural-Schreibweisen wie "PiratInnen", "Pirat_innen" etc. ablehnt und auch nicht ständig das gedoppelte "Piratinnen und Piraten" verwenden will. Aber bei einer Einzelperson spricht doch eigentlich nix dagegen, das grammatikalisch richtige Geschlecht zu nehmen? Oder gehts darum, das Geschlecht explizit zu verschleiern?

Pirat - männlich, weiblich oder neutral?

Bezüglich der Debatte ob Pirat oder Piratin werfe ich noch eine etwas andere Deutung mit in den Ring:

1.) Um Pirat zu sein, bedarf es keiner Mitgliedschaft - auch wenn diese die Mitbestimmung (insb. Wahlrecht) innerhalb der Piratenpartei bedingt und erst die Mitgliedsbeiträge viele Aktionen ermöglichen (Infostände, Flyer, usw kosten einfach Geld).

Vielmehr bedarf einer bestimmten Denkweise (oder nenne es Ansichten, Einstellungen,...) um Pirat zu sein. Diese Idee, was besser oder anders gemacht, gelöst oder umgesetzt werden könnte, zeichet einen Piraten aus. Da aber ein Idee und nicht das Geschlecht, die Haar- oder Hautfarbe, Einkommen oder sonst etwas einen Piraten ausmacht, wieso sollte ein Pirat als Begriff nicht genau wie die Idee geschlechtslos sein? Und da "Pirat" schlichtweg zwei Zeichen weniger als "Piratin" hat, nehme ich als mathematisch vorbelastete Person gerne das kürzere Wort.

2.) Die ersten Piraten fanden sich online zusammen. Da es im Internet aber anhand des Nicknames manchmal schwierig ist, eine Person einem bestimmten Geschlecht zuzuordnen oder dies sogar gar nicht wollte ist (es gibt eine Studie, die von 40% weiblichen Gamer spricht), ist das Geschlecht innerhalb der Piraten in den Hintergrund getreten. Viel entscheidender sind die Meinungen, Ansicht und Taten der Person hinter einem bestimmten Nickname/Account.

3.) Es gibt die in verschiedene Strömungen aufgespaltene Religon des Christentums mit dem einenden Buch "Bibel". In der Bibel wird geistigen Wesen namens Engeln gesprochen - genauer: im Singular heißt es "ein Engel" bzw. "der Engel", obwohl diese geistigen Wesen geschlechtslos sein sollen. Und doch wird trotz der patriachalischen Hauptströmung "Katholizismus" nicht gefordert, dass politisch korrekt von "Engelinnen und Engeln" gesproche wird (bitte nicht falsch verstehen, ich möchte meinen geliebten "Sauhaufen", der sich Piratenpartei nennt, nicht glorifizieren, sondern zum lediglich zum Nachdenken anregen).

4.) Wieso muss eine Gruppe von Menschen unbedingt in ein Untergruppen auf Basis eine körperlichen Merkmals aufgeteilt werden? Und wenn doch, was mit jenen, die von der (leider) als Norm definierten Heterosexualität abweichen? Oder gar Transsexuellen? Aus Protest gegen diese von Außen vorgenommene Zwangsaufteilung in männlich und weiblich, hat sich innerhalb der Piratenpartei die Gruppe der "Transsexuellen Eichhörnchen" gegründet - und zwar unabhängig vom Geschlecht oder der sexuellen Orientierung.

Ob wahrscheinlich habe ich noch viele Punkte oder Untermeinungen vergessen, doch der Hintergrund wieso gerne eine Person gerne als "Pirat" bezechnet wird oder sich selbst bezeichnet, sollte ein wenig klargeworden sein: Die Meinung/Einstellung entscheidet und nicht das Geschlecht.

Das sind ja nun ganz viele

Das sind ja nun ganz viele Fragen auf einmal, und ich denke, ich werde bei der Beantwortung so kurz wie möglich halten.
Wie ich im Artikel schon anmerkte, ist dies meine Begründung, warum ich mich von einer Kandidatur abschrecken lasse - und es ist die Begründung einer Frau. Tatsache bleibt aber auch, dass ich viele Frauen getroffen habe, die genauso argumentiert haben. Sicher gibt es auch Männer, für die dies auch zutrifft. Aber ich habe - während ich noch Studentin war - etliche damalige (ausschließlich männliche) Kommilitonen gehabt, die politisch in etablierten Parteien engagiert waren und folgendes sinngemäß gesagt haben: Ich bastel nebenher noch an einer politischen Karriere, falls es mit dem Studium nicht so richtig klappt! Es scheint also tatsächlich einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Karrierebestrebungen zu geben und offensichtlich ist es Männern eher egal, wenn sie dafür u. U. wie eine Sau durchs Dorf getrieben werden können. Was das immer das auch bedeuten mag.

Zur anderen Frage: Wenn ich Eingangs anmerke, dass ich eine Frau bin, sollte sich doch eine explizite Geschlechtsverschleierung von selbst ausschließen. Davon mal abgesehen: Ich gehöre der Piratenpartei an und bin deswegen Pirat. Sollte ich irgendwann der Piratinnenpartei angehören, bin ich eben Piratin. Damit sollte sich die Frage beantwortet haben.

Die Frauenfrage

Ich interessiere mich für die Politik der Piraten, hab mich jetzt hier mal so durch die Beiträge gelesen und mir meine Gedanken dazu gemacht. Die Diskussionsbeiträge sind hier teils zwar schon etwas älter, trotzdem nutze ich die Gelegenheit meinem Ärger Luft zu machen. Zunächst einmal weiß ich als Mutter pubertierender Kinder, dass eine 16-Jährige, die "einen Spitzenpolitiker flach legt", keine reife, kluge Frau sein kann. Für diese Entwicklung benötigt sie naturgemäß noch gut und gern mindestens zehn weitere Lebensjahre. Ein 40jähriger Politiker hat nun allerdings genug Reife und Lebenserfahrung, um zu wissen, wie leicht Kinder und Jugendliche zu beeindrucken, zu manipulieren und zu verführen sind. Eine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe ist da schon mal ausgeschlossen und war vermutlich von seiner Seite aus auch nie Sinn der Sache. Was über die persönliche Reife eines 40jährigen Mannes, der mit einer 16-Jährigen was anfängt, zu halten ist, lassen wir mal dahin gestellt... Traurig, dass eine Piratin - Verzeihung, ein "weiblicher Pirat" - so gar nicht in der Lage ist, die besondere Schutzbedürftigkeit so junger Menschen vor sexueller und sonstiger Ausbeutung nachzuvollziehen und das Ganze zu einer rein juristischen Frage macht (wusstest du, dass gerade ein Lehrer, der eine 14-jährige Schülerin an seiner Schule missbraucht hat, frei gesprochen wurde, weil er nicht ihr Klassenlehrer war?! Gesetz und Anstand gehen nicht immer konform.)
Was nun die Frauenfrage in der Piratenpartei angeht - ich finde es mehr als traurig, dass ihr da derart gestrige Positionen vertretet. Für eine moderne, aufgeschlossene, junge Partei hätte es eine Selbstverständlichkeit sein müssen, Gendergerechtigkeit zu praktizieren.
Engagierte, aktive, politisch interessierte Frauen wie ich haben keine Lust an Männerstammtischen teilzunehmen (ich hatte bereits das zweifelhafte Vergnügen, bei einem Piratenstammtisch dabei sein zu dürfen).
Für die Frauenquote hab ich schon vor 20 Jahren gekämpft. Und ich empfinde es nachgerade als Unverschämtheit, wenn ich hier lesen muss, dass über die Frauenquote Frauen in politische Ämter gewählt werden "nur weil sie Titten haben". Die Frauenquote verhilft kompetenten, intelligenten Frauen zu guten Startpositionen, OBWOHL sie Titten haben! Ich frage mich ernstlich (vor allem nach diesem Stammtischbesuch) wie viele inkompetente männliche Piraten nur in Gremien und Ämter gewählt worden sind, weil sie Eier haben - und außerdem keine kompetente und intelligente Frau Lust hatte, sich mit ihnen rumzuärgern.
Ausdrücklich möchte ich klarstellen, dass ich von Jugend an ein politischer Mensch bin und mich nie habe abschrecken lassen, meine Meinung zu sagen und auch geballter Männermacht gegenüberzutreten. Ich scheue keine Auseinandersetzung und es gibt mir eher Kraft, wenn ich um was kämpfen muss. Aber - als Feministin war es mir immer wichtig, Frauen zu unterstützen, mich zu solidarisieren und Bündnisse zu schließen, um vor allen Dingen auch geschlechtsspezifische Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen.
Dass es eine solche Ungleichheit und Ungerechtigkeit gibt, können weder Piraten noch Piratinnen abstreiten, auch wenn ihr euch auf diesem Auge blind stellt.
So lange ihr euch diese Piraten-Augenklappe nicht runterreißt, werde ich - und ganz, ganz viele andere Frauen, die so denken wie ich - lieber in anderen Bündnissen und Organisationen tätig (bleiben), obwohl ich eure Anfänge ganz spannend fand...

Die Alibi-Frauen seid in Wahrheit ihr, liebe weibliche Piraten!!!

Ich interessiere mich für die

Ich interessiere mich für die Politik der Piraten, hab mich jetzt hier mal so durch die Beiträge gelesen und mir meine Gedanken dazu gemacht. Die Diskussionsbeiträge sind hier zwar schon etwas älter, trotzdem nutze ich die Gelegenheit meinem Ärger Luft zu machen. Zunächst einmal weiß ich als Mutter pubertierender Kinder, dass eine 16-Jährige, die "einen Spitzenpolitiker flach legt", keine reife, kluge Frau sein kann. Für diese Entwicklung benötigt sie naturgemäß noch gut und gern mindestens zehn weitere Lebensjahre. Ein 40jähriger Politiker hat nun allerdings genug Reife und Lebenserfahrung, um zu wissen, wie leicht Kinder und Jugendliche zu beeindrucken, zu manipulieren und zu verführen sind. Eine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe ist da schon mal ausgeschlossen und war vermutlich von seiner Seite aus auch nie Sinn der Sache. Was über die persönliche Reife eines 40jährigen Mannes, der mit einer 16-Jährigen was anfängt, zu halten ist, lassen wir mal dahin gestellt... Traurig, dass eine Piratin - Verzeihung, ein "weiblicher Pirat" - so gar nicht in der Lage ist, die besondere Schutzbedürftigkeit so junger Menschen vor sexueller und sonstiger Ausbeutung nachzuvollziehen und das Ganze zu einer rein juristischen Frage macht (wusstest du, dass gerade ein Lehrer, der eine 14-jährige Schülerin an seiner Schule missbraucht hat, frei gesprochen wurde, weil er nicht ihr Klassenlehrer war?!. Gesetz und Anstand gehen nicht immer konform.)
Was nun die Frauenfrage in der Piratenpartei angeht - ich finde es mehr als traurig, dass ihr da derart gestrige Positionen vertretet. Für eine moderne, aufgeschlossene, junge Partei hätte es eine Selbstverständlichkeit sein müssen, Gendergerechtigkeit zu praktizieren.
Engagierte, aktive, politisch interessierte Frauen wie ich haben keine Lust an Männerstammtischen teilzunehmen (ich hatte bereits das zweifelhafte Vergnügen, bei einem Piratenstammtisch dabei sein zu dürfen).
Für die Frauenquote hab ich schon vor 20 Jahren gekämpft. Und ich empfinde es nachgerade als Unverschämtheit, wenn ich hier lesen muss, dass über die Frauenquote Frauen in politische Ämter gewählt werden "nur weil sie Titten haben". Die Frauenquote verhilft kompetenten, intelligenten Frauen zu guten Startpositionen, OBWOHL sie Titten haben! Ich frage mich ernstlich (vor allem nach diesem Stammtischbesuch) wie viele inkompetente männliche Piraten nur in Gremien und Ämter gewählt worden sind, weil sie Eier haben - und außerdem keine kompetente und intelligente Frau Lust hatte, sich mit ihnen rumzuärgern.
Ausdrücklich möchte ich klarstellen, dass ich von Jugend an ein politischer Mensch bin und mich nie habe abschrecken lassen, meine Meinung zu sagen und auch geballter Männermacht gegenüberzutreten. Ich scheue keine Auseinandersetzung und es gibt mir eher Kraft, wenn ich um was kämpfen muss. Aber - als Feministin war es mir immer wichtig, Frauen zu unterstützen, mich zu solidarisieren und Bündnisse zu schließen, um vor allen Dingen auch geschlechtsspezifische Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen.
Dass es eine solche Ungleichheit und Ungerechtigkeit gibt, können weder Piraten noch Piratinnen abstreiten, auch wenn ihr euch auf diesem Auge blind stellt.
So lange ihr euch diese Piraten-Augenklappe nicht runterreißt, werde ich - und ganz, ganz viele andere Frauen, die so denken wie ich - lieber in anderen Bündnissen und Organisationen tätig (bleiben), obwohl ich eure Anfänge ganz spannend fand...

Die Alibi-Frauen seid in Wahrheit ihr, liebe weibliche Piraten!!!