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8. Mai 2020: 75 Jahre Tag der Befreiung – Wir dürfen nie vergessen

„Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ – Richard von Weizsäcker

1945 bis 2020 – 75 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Sechs Jahre, in denen das deutsche Volk unter der Führung der Nationalsozialisten, Zerstörung, Tod und Armut über Europa und die Welt gebracht hat, finden mit der gesamtdeutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 ihr Ende. Die Schrecken einer menschenverachtenden Ideologie, die durch Deutschland seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begangen worden sind, bleiben. Ihre Aufarbeitung dauert bis heute an. Es ist das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.

Heute möchten wir an diesen Tag, der die Befreiung von Europas Völkern und auch der deutschen Bevölkerung von einem der größten Schreckensregime aller Zeiten bedeutet, erinnern und all jenen Menschen gedenken, die bis dahin zu Opfern von Faschismus, Rassismus und Antisemitismus geworden sind. Wir mahnen, dass auch in der Gegenwart, 75 Jahre später, diese Themen eine große Rolle spielen.

Die neuen Faschisten und Rassisten hetzen und marschieren wieder und immer noch. Mit dem Kriegsende und dem Untergang des Dritten Reiches endete zwar die Herrschaft der Nationalsozialisten, aber ihr ideologisches Gedankengut ist nach wie vor lebendig und findet noch Zuspruch in manchen Bevölkerungsgruppen. Das bedeutet für alle Menschen, denen Demokratie, Freiheit und menschliche Würde wichtig sind, dass sie wachsam sein müssen. Unser Frieden und unsere Freiheit sind hart erkämpfte Güter, die verteidigt werden müssen.

Die Coronakrise zeigt, was schon eine epidemiologisch notwendige Einschränkung der persönlichen Freiheiten für viele Menschen bedeutet und doch ist es kein Vergleich mit Krieg, Verfolgung, Arbeits- und Vernichtungslagern. Kein Vergleich mit dem Verlust von Frieden und Freiheit.

„Radfahren, pfeifen, tanzen, die Welt sehen, mich jung fühlen, wissen, dass ich frei bin – danach sehne ich mich.“, schrieb Anne Frank (* 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main; † Februar oder Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) und durfte es doch nie mehr.[1] 

Faschismus endet nicht vor der eigenen Haustür. Krieg, Diskriminierung und Verfolgung können jeden treffen, selbst die, die sich sicher wähnen, weil sie ein Teil des Ganzen sind. Auf Linie mit einer solchen Ideologie zu sein, schützt nicht vor ihrer Ungerechtigkeit und Brutalität. Ein falsches Wort zur falschen Person und es klingelte nachts an der Tür: man wurde abgeholt und verschwand unter Umständen für immer.

„Das wird man wohl noch sagen dürfen!“, ist zum geflügelten Wort in den Sozialen Medien geworden und fast schon ein Sprichwort. Und ja, man kann es heute sagen, weil Frieden ist und Wohlstand herrscht und man darf es heute sagen, auch wenn man vielleicht Widerspruch erhält, denn die eigene Freiheit und das eigene Leben bleiben durch den Staat unbedroht. Wenn wir nicht für Frieden in der Welt und die Freiheit aller Menschen gemeinsam einstehen, werden selbst die, die ihre Freiheit nicht zu schätzen wissen und daran arbeiten, dass sich „in Deutschland endlich etwas ändert“ ihre Freiheit und im schlimmsten Fall ihr Leben verlieren.

75 Jahre Frieden sollten uns demütig werden lassen. Generationen von Menschen, die keine panischen Ängste in unendlich lang erscheinenden Bombennächten durchleben mussten – das Brummen der Flugzeugmotoren am Himmel, die Detonationen der Bomben in nächster Nähe. Keine näher rückende Frontlinie mit dem Donnern der Artillerie und dem Knattern der Maschinengewehrgarben, die feindliche Soldaten in das eigene Land, die eigene Stadt, die eigene Wohnung bringen wird, während der eigene Mann oder die eigenen Kinder vielleicht schon längst gefallen sind. Jedes zehnte Opfer des Zweiten Weltkrieges war ein deutscher Soldat.[2]

Und lasst uns dankbar für unsere individuelle Freiheit sein und lasst uns Toleranz für alle haben, die diese Freiheit nutzen, um ein anderes Leben zu führen als das, das wir selbst gewählt haben. Nur Intoleranz ist in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht zu tolieren. Ihr muss widersprochen werden, wenn möglich, ohne ihr eine Bühne zu geben. Heute ist der Tag, an dem wir all jenen mutigen Menschen unseren Respekt erweisen, die für unser Leben, unsere Sicherheit, unsere Freiheit und unseren Wohlstand gekämpft haben. Wir denken an all die, die nicht müde wurden, für die Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten und die Widerstand geleistet haben, selbst wenn ihr eigenes Leben der Preis dafür war.

In diesem Jahr hat das Land Berlin als einziges Bundesland den 8. Mai 2020 einmalig zum Feiertag erklärt, in Mecklenburg-Vorpommern hat dieser Tag schon seit längerem den Status eines Gedenktages.[3] Doch dies kann nur der Anfang sein.

Wir Frankfurter PIRATEN fordern:

  • Keinen Platz für faschistisches Gedankengut, schon gar nicht innerhalb der Polizei und der Bundeswehr
  • Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus dürfen kein Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens
  • Ächtung rechtsextremistischer und (neo-)faschistischerer Parteien und Organisationen
  • Konfliktlösung mit friedlichen Mitteln statt Aufrüstung
  • Verbot von Rüstungsexporten und Stärkung der UNO statt völkerrechtswidriger Kriege

Lasst uns ein Zeichen setzen, in dem wir den 8. Mai bundesweit zum gesetzlichen Feiertag erklären lassen und damit zu demonstrieren, dass wir aus diesem finsteren Kapitel der Geschichte gelernt und es verstanden haben. Feiert gemeinsam mit uns den Tag der Befreiung mit unseren Bündnispartnern von 8. Mai 1945 – Bündnis Frankfurt*. Auch wenn das gesellschaftliche Leben durch die Corona-Pandemie fast zum Erliegen gekommen ist, beziehen wir Position und machen uns stark!

Wider das Vergessen – Kein Opfer darf umsonst gewesen sein. Für Frieden und Freiheit – damit so etwas nie wieder geschieht!

*weitere Bündnispartner (Stand 02.05.2020): Alevitische Gemeinde Frankfurt, ANPI Francoforte, AStA Universität Frankfurt, Aufstehen gegen Rassismus RheinMain, Bildungsstätte Anne Frank, Bündnis 90 / Die Grünen Frankfurt, Club Voltaire, Children’s Hope Home e.V., DIDF Frankfurt, DIDF-Jugend Frankfurt, DIE LINKE. Fraktion im Römer, DIE LINKE. Kreisverband Frankfurt am Main, DGB Region Frankfurt Rhein Main, DKP Frankfurt am Main, Ettie und Peter Gingold Erinnerungsinitiative, Förderverein Roma, Frankfurter Jugendring, Friedens- und Zukunftswerkstatt, Förderverein Gedenkstätte KZ-Katzbach/Adlerwerke, Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. Rhein-Main, Grüne Jugend Frankfurt am Main, Jusos Frankfurt, Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim e. V., Main-Taunus – Deine Stimme gegen Rechts, NaturFreunde Frankfurt, Naturfreundejugend Hessen, Schultheater-Studio, Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane e.V., Stiftung Solidarität Frankfurt, Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Türkisches Volkshaus Frankfurt, VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Frankfurt, Zentralrat der Muslime in Hessen

Zur Facebook-Seite des Bündnisses: https://www.facebook.com/8maibuendnisfrankfurt