Freiheitsgedanken

Freiheitsgedanken: Was nun?

„Wir sprengen sie in die Luft“, sagte Olaf und schlug mit dem Handrücken in seine flach ausgebreitete Hand. Es war ein kalter Herbstabend und wir saßen in der Werkstatt meines Vaters. Fünf Männer auf Stühlen. Ein Kreis – alle großen Männer saßen im Kreis, zum Beispiel König Arthur, alle momentan großen Männer drehen sich nur in diesem – der an diesem Abend seinen Anfang fand. Olaf, Jürgen, Christian, Ralf und ich. Olaf hatte noch ein bisschen Graß aus Eigenanbau dabei und Jürgen hatte eines seiner genialen grünen Kunstwerke gebaut. Die Neonröhre beleuchtete den jahrhundertealten Raum. Früher wurden hier Schränke und Tische gebaut, heute Tüten. Der Ofen bollerte vor sich hin, so als ob nichts anstünde.

Freiheitsgedanken: Umwege

„.. holt bitte eure Hausaufgaben heraus und legt sie auf den Tisch, ich gehe gleich herum und kontrolliere sie.“
Montagmorgen, ich sitze in der Schule. Dem müde lauschend, was die Person dort vorne an der Tafel erzählt. Doch bereits das Wort Hausaufgaben reißt mich aus meinem dämmerlichen Zustand. In der Feierlaune des vergangenen Wochenendes habe ich glatt vergessen sie zu erledigen. Klipp klapp klipp klapp Immer lauter höre ich die Absätze meiner Lehrerin. Gleich wird sie hier sein und aufschreiben, dass ich meine Hausaufgaben nicht erledigt habe. Klipp Das darf nicht passieren, nicht schon wieder. Klapp Hektisch beginne ich nach einem Ausweg zu suchen. Ich sehe nach rechts, doch dort ist niemand; ich sitze am Fenster. Schnell schaue ich nach links. Ich sehe Sven, langsam dreht er sein Heft auf dem Tisch herum, bereit es kontrollieren zu lassen. Klipp Im Handumdrehen ziehe ich meinen Block hervor und beginne in krakeliger Schrift abzuschreiben. Nummer eins a... geschafft.. eins b... in Eile verwischt mein Ärmel das gerade Geschriebene, doch egal. Einfach nur weiter schreiben. Ich setze an zur letzten Ziffer „schreibst du gerade deine Hausaufgaben ab!?“ ein paar Worte stammelnd sehe ich nach oben. Frau Schmidt steht direkt vor mir. „Nein, ich.. ähm.. ich.. habe nur die Lösung vervollständigt. Hier sehen sie, ich habe einen Satz ergänzt, damit es schlüssiger wird“. Doch da greift sie schon nach dem Block und sieht auf dem ganzen Blatt den Glanz der frischen Tinte.

Freiheitsgedanken: Impulse

Ich schlage die Augen auf und glaube für wenige Sekunden, Diana zwei Meter von mir entfernt, noch im Halbschlaf, röchelnd atmen zu hören. Vor sechs Monaten wäre ich jetzt leise aufgestanden, hätte die Bettdecke über mein Kopfkissen und die Vorhänge an die Ränder des Fensters gezogen, hierbei schützend vor dem einfallenden weiß blendenden Licht, aber die morgendliche sanfte Wärme genießend die Augen geschlossen und mich gefreut, so nicht den Stacheldraht vor unserem Fenster und über dem Zaun vor dem Gebäude sehen zu müssen. Ich wäre zu Dianas Bett rübergetapst, hätte sanft an ihrem Laken gezupft und ihr zugeflüstert: „Du hast noch zwanzig Minuten Zeit!“. Ich hätte mich umgezogen und wäre zur Tür gegangen, deren Verriegelung seit sechs Uhr wieder aufgehoben wäre und hätte dabei routiniert zu der großen Glaswand gegenüber unseren Betten geblinzelt und meinen Blick beim Erhaschen eines Augenpaares in einer Ritze des Rollos bedacht wieder abgewandt.

Freiheitsgedanken: Zukunft

Mit Angst hatte es angefangen. Alles. Mein Leben, meine Jugend und auch dieser Abend.
Ich hatte Angst, als sie mir an meinem sechsten Geburtstag den Chip einpflanzten. Es wäre notwendig, hatte meine Mutter mir damals erklärt; meine Mutter, die noch aus einer Zeit stammte, in der es genügt hatte, sich mit einem Stück laminierten Papiers auszuweisen. Ich habe ihn einmal gesehen, diesen sogenannten Personalausweis, sie hatte ihn wiedergefunden nach all den Jahren, in denen sie ihn nicht mehr benötigt hatte.
Niemand hatte diese Dinger noch nötig. Man konnte sie so leicht verlieren, und fälschungssicher seien sie auch nicht gewesen, hatte sie mir erklärt.

Freiheitsgedanken: Verborgen

Für alle, die mich nicht kennen, hier ein kleiner Einblick in mein Leben, sozusagen als amüsante Anekdote, wie ironisch das Leben doch sein kann:

„Ich habe nichts zu verbergen!“, hatte ich Daniel noch vor wenigen Wochen amüsiert entgegengehalten, als er wieder einmal von dem Thema angefangen hatte. „Gläserner Bürger“, dass ich nicht lache. Einfache Worte, mit denen er versuchte, mich zu verunsichern und auf seine Seite zu ziehen. Das dachte ich damals.
„Stell dir doch mal vor, da sitzt einer wie in „Das Leben der Anderen“ und hört zu, wie du mit Jens telefonierst. Oder liest, was du mit Florian schreibst. Oder mit Anna.“, hatte er versucht, mir klar zu machen, was ihn an Dingen wie der Vorratsdatenspeicherung störte.

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