25 Jahre Brandanschlag von Solingen - Gedenken auf dem Hülya-Platz

Opfer Solingen 1993

Wir müssen uns erinnern. An Solingen, den 29. Mai 1993, an Rostock-Lichtenhagen, im August 1992, an Hoyerswerda im September 1991. An 22.471 rechtsextremistische Straftaten, davon 1.600 Gewalttaten im Jahr 2016 laut Verfassungsschutz. Betroffenenverbände sprechen von teils weit höheren Zahlen und einer hohen Dunkelziffer.

Wir müssen uns erinnern im Angesicht eines Abschaums, der jegliche Mitmenschlichkeit abgelegt hat und Gewalt gegen Mitmenschen verübt, gut heißt, oder stillschweigend akzeptiert, allein aus dem Grund, dass diese Mitmenschen aus anderen Ländern kommen, oder ihre Eltern, oder Großeltern, oder dass sie eine andere Religion haben.

Wir müssen uns erinnern im Angesicht von Politikern, die Vorurteile schüren allein aus billigestem Populismus heraus. Die unmenschliche Gesetze verabschieden, die bar jedes Mitgefühls sind.

Wir müssen uns erinnern im Angesicht einer medialen Berichterstattung, die mit "verharmlosend" nur unzureichend beschrieben ist.

Wir müssen uns erinnern, dass auch wir Mitmenschen sind. Dass jeder Angriff auf einen Mitmenschen ein Angriff auf uns ist, auf unsere Werte, auf unsere Geschichte, auf unsere Gesellschaft. Jede Beleidigung eines Mitmenschen beleidigt uns.

Ich würde gerne berichten von der Veranstaltung, denn es war eine gute Veranstaltung, getragen von viel ehrenamtlichen Engagement verschiedenster Gruppen, Einzelpersonen und nicht zuletzt des Ortsbeirats. Ich würde gerne detailliert berichten, dass ich den Hülya-Platz noch nie so voll gesehen habe, von der guten Stimmung trotz des traurigen, nein erschütternden Jahrestages, von den interessanten Wortbeiträgen, den tollen Darbietungen, ...

Ich würde gerne, aber ich habe mich erinnert und mir fehlen die Worte - aber ich werde sie wieder finden und ich werde nicht schweigen und wir dürfen nicht schweigen.

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