6.5. Global Marihuana March 2017 - Piraten fordern: Gebt das Hanf frei!

6.5. Global Marihuana March 2017 - Piraten fordern: Gebt das Hanf frei!

Auch beim GMM 2017 waren die Piraten dabei und wir hatten - wie immer - viel Spaß!

Für Euch zur Info, hier die Rede unseres Bundestagskandidaten Pawel Borodan:

Hallo Frankfurt,

ich bin Pawel und freue mich, heute als Pirat hier zu sein. Bekanntermaßen ist der Global Marihuana March ja die entspannteste Veranstaltung des Frankfurter Demokalenders. Schon allein deswegen auch für mich ein fest eingeplanter Termin.

Das Jahr seit dem letzten GMM war ein Jahr in dem ein wichtiger Erfolg zu verbuchen war: die Teillegalisierung von Cannabis im medizinischen Bereich. Patienten, die vorher nur mit aufwändigen Ausnahmegenehmigungen und teilweise langwierigen Prozessen vor Gericht einen Zugang zu Hanf erhielten, brauchen nun zumindest in der Theorie nur ein Rezept. In der Praxis gibt es aber auch an dieser Front noch viel zu tun. Da Berlin - so mein Eindruck - verlernt hat, klare Gesetze zu schreiben, bedarf es sicherlich noch einiges an Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei Ärzten und Krankenkassen. Vielleicht wird es auch den einen oder anderen Gang zum Gericht bedeuten. Auch wird sich zeigen müssen, wie schnell und wie gut der Aufbau der Cannabisagentur und die Organisation des Anbaus laufen wird. Alles Fragen, die pragmatischer zu regeln gewesen wären, hätte Berlin auf die Praktiker und die Verbände gehört. Aber die Legalisierung für den medizinischen Gebrauch, und das lässt sich nicht kleinreden, ist ein großer Erfolg und vielleicht der lange erwartete Dammbruch.

Denn die Ärzte und Krankenkassen werden in den kommenden Monaten Erfahrungen mit Cannabisverschreibungen sammeln. Aus anfänglicher Unsicherheit wird so nach und nach erlebter Therapieerfolg. Und diese Menschen, die selbst vielleicht sonst mit dem Thema Hanf nicht in Verbindung gekommen wären, werden so zu potentiellen Verbündeten. Ein Arzt, der legal berichten kann: seht her, hier habe ich Hanf verschrieben und meinem Patienten geht es besser - ein solcher Arzt überzeugt mit seinem Bericht auch andere Menschen, dass Hanf kein Teufelskraut ist, sondern nützlich ist. Das ist eine wichtige Gelegenheit Mehrheiten zu schaffen, die sich dann in hoffentlich naher Zukunft nicht mehr für dumm verkaufen lassen. Die uns dann unterstützen in unserem Streben nach selbstbestimmtem Umgang mit Gras. 

Noch immer fühlen sich politische Entscheidungsträger offensichtlich nicht wohl, wenn sie mit Cannabis zu tun haben. Zu lange haben sie hartleibig am Krieg gegen die Drogen, wie sie es nennen, festgehalten. Und damit haben sie nicht nur den Hanffreunden das Leben schwer gemacht. Wir Piraten glauben, dass sie der Gesellschaft einen Bärendienst erwiesen haben. Wir sind überzeugt, dass die generelle Kriminalisierung von Drogen schwere Nebenwirkungen hat: es lässt einen Schwarzmarkt entstehen, der im Zweifel auch tatsächlich kriminelle Strukturen finanziert. Es bindet damit in unsinniger Weise Ressourcen bei der Polizei und Justiz, zwei Teile des Staates, die sich sicher auch sinnvoller beschäftigen können. Des Weiteren gibt es keine Qualitätssicherung, keinen Verbraucherschutz. Während sonst jeder Pups auf einen Zettel gedruckt ans Produkt gepappt wird, stehen wir beim Hanf im Dunkeln. Ich würde gerne in den Laden gehen, mit der Ansage, welchen Strain ich den heute gerne hätte und mich vor dem Konsum über THC- und CBD-Gehalt informieren. Kann ich aber nicht, ist halt verboten. All das geschieht vorgeblich, um uns alle zu schützen. Am Ende ist genau des Gegenteil die Folge. Denn der wichtigste Schutz vor Risiken ist ein geschulter Verstand. Nur wie sollen gerade junge Menschen in Sachen Cannabiskonsum Wissen vermittelt bekommen, wenn über Allem das Verbot steht. Gerade das verhindert einen offenen und unverkrampften Umgang mit den möglichen Nebenwirkungen von Hanf. 

Schauen wir uns einmal an, wie mit den legalen Rauschmitteln Tabak und Alkohol in der Prävention verfahren wird. Beide werden bereits im Schulunterricht thematisiert und dies zunehmend entspannter. Nicht weil sie plötzlich gesünder wären, sondern weil sich die Erkenntnis durchsetzt, das der erhobene Zeigefinger und Verbote häufig die beste Werbung sind. Der Erfolg: mittlerweile haben drei Viertel aller Jugendlichen noch nie geraucht. Und beim Alkohol verweise ich auf die derzeit laufende Kampagne: Kenn Dein Limit! Es wird hier eben nicht verboten, sondern zwischen risikoarmen und risikoreichem Verhalten im Umgang mit Alkohol unterschieden. Das wünsche ich mir auch fürs Hanf. 

Ihr seht also es gibt noch viel zu tun: wir müssen weiter Menschen überzeugen, dass eine Zukunft mit Hanf besser ist als eine ohne. Es gilt weiter, den Politikwechsel voranzutreiben - wir Piraten stellen uns schon seit langem uneingeschränkt an die Seite derer, die sagen: Gebt das Hanf frei!