Bericht von der 21. Sitzung (Teil 1): Rohmerplatz und andere Provisorien

Provisorium

Man sagt: "Nichts hält länger als ein Provisorium." Im Falle der Kita Rohmerplatz, die seit nahezu 5 (fünf!) Jahren auf dem Kurfürstenplatz ausgelagert ist,  wird dies wohl auch noch ein wenig anhalten, denn der Baubeginn ist nicht vor 2020 zu erwarten, wie dem Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Ortsbeirat heute vorgestellt wurde. Die Präsentation der KEG war nicht nur deswegen von zahlreichen kritischen Nachfragen begleitet. Hinzu gesellt sich ein neues Provisorium: Das Gymnasium West am Römerhof wird ebenfalls zunächst als ein eben solches errichtet. Dahingehend möchte sich die vegane Kita in Bockenheim dauerhaft etablieren. Dementsprechend länger dauerte die Bürgerfragestunde: Mit über 2 3/4 Stunden rekordverdächtigt. Ortsvorsteher Kaufmann kommentierte zum Abschluss, dass man die 60 Minuten gut ausgefüllt hätte - ich mag den Humor.

Der erste Punkt traf gleich ins Herz der Bockenheimer. Die Vorstellung der KEG begann mit einer nach meinem Empfinden etwas länglichen allgemeinen Vorstellung, der sich ein rasanter Schnelldurchlauf durch die bisherigen Projekte der Gesellschaft anschloss, bevor es zum Kernpunkt kam: Die Entwicklung auf dem ehemaligen Standort Sozialrathaus.

Die KEG ist eine interessante Firma. Geschäftsführer ist Herr Wrengler, seines Zeichens auch Geschäftsführer der BSMF, die 50% an der KEG hält. Die anderen 50% gehören der Stadt Frankfurt. Da der amtierende Oberbürgermeister Vorstandsvorsitzender ist und somit im Zweifelsfall die ausschlaggebende Stimme hat, hätte die Stadt de facto nach Herrn Wrenglers Worten die Mehrheit.

Aber kommen wir zum Rohmerplatz. Nach Aussagen der KEG, hier vertreten durch den Planer der BSMF ist mit einem Baugebinn nicht vor Herbst 2019 zu rechnen. Die Fertigstellung soll 2020 erfolgen, wenn - ja wenn - alles gut geht. Noch ist der Bauantrag nicht genehmigt. Geplant ist eine Kita mit 8 Gruppen U3 und 4 Gruppen Ü3, sowie ein Studierendenheim mit 121 Einzelappartements. Dazu gesellt sich eine Tiefgarage mit gerade einmal 18 Stellplätzen. Wer die Situation am Rohmerplatz kennt, kann sich denken, dass dies nicht gerade zur hellen Begeisterung der zahlreichen Anwohnerinnen und Anwohner geführt hat. Aber auch sonst konnte das Projekt nicht unbedingt begeistern.

Auf die Frage, wie denn das Problem der "Elterntaxis", gerade bei U3-Gruppen nicht unerheblich, gelöst sei, kam im Wesentlichen die Antwort, dass man sich für das Problem nicht zuständig fühle. Der Platz gäbe eine "Kiss & Goodby" Zone nicht her.

Die Frage nach den Stellplätzen wurde mit einem Hinweis auf die Stellplatzsatzung der Stadt beantwortet, zudem sei das mit dem Bauamt abgesprochen. Schaue ich in eben jene Verordnung, leider und zugegebenermaßen erst im Nachhinein, lese ich 1 Stellplatz je 15 Kinder - nehmen wir nur mal an, eine Kitagruppe bestünde aus 15 Kindern. Bei Wohnheimen, wobei die Zuordnung nicht stimmen muss, steht etwas von einem Stellplatz je 3 Betten. Das alles zusammen gerechnet ergibt bei mir rund 52 Stellplätze. Hier nehme ich gerne Nachhilfeunterricht und bin für sachdienliche Hinweise dankbar.

Wer rund um den Rohmerplatz wohnt, ist in Hinsicht auf Lärm Kummer gewohnt: der jahrzehntelange Umbau des ehemaligen Karstadts, der Anlieferverkehr für Zalando und Co. ab ursprünglich 5 Uhr morgens, mittlerweile "nur" noch 6 Uhr, und die Post haben bei den Anwohnerinnen und Anwohner für eine dünne Haupt gesorgt. Dementsprechend schlugen die Wogen hoch, als die Sprache auf die geplante Dachterrasse für die Studierenden kam. Zwar kann ich die Bedenken nachvollziehen, halte sie aber für zumindest voreilig. Die Zeiten des "entspannten Studentenlebens" sind vermutlich vorbei und nicht nur, weil es heute zu Recht Studierendenlebens heißen würde - Bachlor & Master sei "Dank".

Wenig Verständis kann ich indes dafür aufbringen, dass man sich über die Baustellenanlieferung offenbar noch keinerlei Gedanken gemacht hat. Auf meine Nachfrage hin wurde lediglich gesagt, dass der sehr knappe Platz vor der Einfahrt ausreichen müsse - also maximal ein LKW zur gleichen Zeit. Planungen, wie die Fahrzeuge die Baustelle erreichen sollen, gibt es nicht einmal im Ansatz.

Ebenfalls Unverständnis rief die Antwort auf die Frage des Seniorenbeauftragten Herrn Gabler hervor, wie es sich mit der Vereinbarkeit der Wohnungen für Mobilitätsbeschränke verhält. Demnach sind zwar alle Etagen per Fahrstuhl erreichbar und zumindest ein Etage auch barrierefrei, jedoch ist nicht eine Wohnung durch diese Menschen bewohnbar. Nach Aussage der KEG/BSMF hätte das Studierendenwerk den Bedarf dafür verneint. Da kein Vertreter des Studierendenwerks anwesend war, konnte die Aussage weder bestätigt noch negiert werden.

Nach meiner Erwartung wird uns dieses Projekt auch noch weiterhin dauerhaft beschäftigen.

Das trifft ebenso zu auf das Gymnasium West am Römerhof. Hier entsteht im Schnellverfahren ein provisorischer Bau einer sechszügigen Schule. In der ersten Phase werden die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5-8 (160) untergebracht, dem folgen die Jahrgänge 9 und 10. Planungen für die die 10.-13. Klassen gibt es nicht. Im Endausbau werden bis zu 1.000 Lehrnende erwartet.

Mein Eindruck war, dass die Priorität darauf lag, die Container der der NGO (Riedberg) einer neuen Verwendung  zuzuführen. Diese befinden sich schließlich im Besitz der Stadt und eine Lagerung wäre mit zusätzlichen Kosten und Platzbedarf verbunden. Zweifelslos vorteilhaft ist dabei die schnelle Realisierungszeit; noch zum kommenden Schulhalbjahr soll die neue Schule zur Verfügung stehen.

Verbunden ist das allerdings mit einigen Herausforderungen. So ist die Verkehrsanbindung alles andere als günstig. Ein Bus bedient im Halbstunden-Takt den Standort. Zwar sei man in Gesprächen mit Traffic, konkrete Ergebnisse konnten indes noch nicht genannt werden.

Wie bei Provisorien fast schon üblich gibt es erneut keine Turnhalle. Statt dessen sollen Ressourcen im benachbarten Nied benutzt werden. Der Praktikabilität widersprach ein ortkundiger Anwohner.

Zumindest wurde der Eindruck vermittelt, die Schule hätte ihren dauerhaften Platz in unmittelbarer Umgebung. Jedoch steht der Bebauungsplan für das Gebiet, dass einer umfangreichen Neubewertung unterliegt, noch nicht. Soweit ich das aus den Vorträgen beurteilen kann, ist es durchaus möglich, dass das Provisorium auf ein weiteres Provisorium zurückgreifen werden muss. Das wäre quasi eine Provisoriumsrocharde.

Angesichts der fortgeschrittenen Stunde und weiterer Verpflichtungen erfolgt Teil 2 in wenigen Tagen. Hierfür bitte ich um Verständis.

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