Bericht von der 21. Sitzung (Teil 2): Vegane Kita, andere Vorstellungen und offene Fragen

Veganes Frühstück (pixabay.com)

Kommen wir endlich zu Teil 2; hat ja auch lang genug gedauert. Die nächste Vorstellung war der veganen Kita gewidmet. Zu Wort kamen zunächst Vertreterinnen und Vertreter des Dezernats Integration und Bildung. Einer der Initiatoren des Projekts saß im Publikum, was sich im weiteren Verlauf als vorteilhaft erwiesen hat. Jedoch hätte ich mir gewünscht, er wäre gleich zu Wort gekommen. Dann hätte sich eventuell einige Nachfragen erübrigt.

Warum hat die vegane Kita eigentlich solche Wellen geschlagen? Zum einen liegt es daran, dass Kinder nicht ausschließlich vegan ernährt werden können, zumindest nicht, ohne dass ihnen Zusatzstoffe verabreicht werden. Zum anderen gab es wohl im Vorfeld einige Gerüchte, die zumindest zum Teil ausgeräumt werden konnten.

Zunächst wurde von Dezernatsseite klar gestellt, dass der Betreiber grundsätzlich ein Recht die Genehmigung des Betriebs hat, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Zu diesen gehört natürlich ein pädagogisches Konzept, aber die Ernährungsfrage ist nicht Teil des Kriterienkatalogs. Somit musste am Ende einer langen Beratungsphase die Genehmigung erteilt werden. Dabei stellte der Vertreter durchaus seinen Wunsch dar, dass sich dies vielleicht ändern sollte.

Da dies die erste Kita des Trägers, einer Elterninitiative, war wurden sie eingehend beraten und befragt, von 2013 - 2017. Das hört es außergewöhnlich an, sei aber auch in dieser Länge durchaus üblich.

Vereinbart wurde am Ende, dass die Eltern, zu denen nach Angaben des Mitinitiators auch nicht-vegane Familien gehören, unterschreiben, dass sie die Kinder mit den erforderlichen Ersatzstoffen versorgen - die Kita wird das nicht machen. Was sich zunächst nach dem St- Florians-Prinzip anhört, hat einen durchaus verständlichen Hintergrund: Da nicht sicher festgestellt werden kann, was die Kinder ansonsten zu sich nehmen (beispielsweise beim Abendessen), kann eine Dosierung nicht durch die Kita erfolgen.

Weitere Einschränkungen sind, dass (Streichel-)Zoobesuche etc. nicht zum Programm der Kita gehören. Das müssten im Zweifel die Eltern eben selbst mit ihren Kindern unternehmen. Das Vorurteil, dass das Tragen von Lederschuhen auf Ablehnung stoßen würde, oder die Kinder in Bezug auf Ernährung indoktriniert werden würden, widersprach der Vertreter des Betreibers. Weder wolle man missionieren, noch sei vegane Ernährung ein besonderer Teil des pädagogischen Konzepts; sie würde einfach stattfinden.

Persönlich kann ich mich trotz allem mit dem Konzept nicht anfreunden. Eine Ernährungsweise, die auf künstliche Zusatzstoffe angeweisen ist, halte ich für falsch. Mir ist dabei durchaus bewußt, dass es nur bis zu einem gewissen Alter der Fall ist und meinetwegen kann man ja gerne die Ernährung danach umstellen, aber bis dahin empfinde ich es ein Stück weit bigot, auch wenn das ein viel zu starkes Wort dafür ist.

Am Ende ist es aber in der freien Entscheidung der Eltern, soweit sie angemessen aufgeklärt wurden, was wohl der Fall sein soll. Ich würde aber trotzdem gerne wissen, aus wievielen der vegan ernährten Kinder in 10-15 Jahren überzeugte Fleischesser werden. ;-)

Kommen wir zur letzten Vorstellung des Abends.
Es wird ein neues Buchprojekt geben, dass sich ausschließlich um Bockenheim drehen wird. Die Initiatoren, die bereits ein Erstlingswerk vorgelegt hatten, stellten das Konzept vor und riefen zur Mitarbeit auf. Leider habe ich feststellen müssen, dass ich mir die Webseite nicht notiert hatte, so dass ich die an dieser Stelle nicht einfließen lassen kann. Eventuell kann die eine Lesern oder ein Leser ja in den Kommentaren nachliefern - schon einmal im Voraus herzlichen Dank dafür.

Die Allgemeine Fragestunde war auch in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde recht kurz. Anwohner des Campus Westend beklagten noch einmal die immer noch unbefriedigende Verkehrs- und Parksituation und es wurde die Frage nach den Fahrradverbindungen in Bockenheim, insbesondere aufgrund der ablehnenden Haltung des Magistrats zu den vom Ortsbeirat übernommenen Vorschlägen aus der Bürgerschaft aufgeworfen. Bei Themenkomplexe wurden zwar aufgenommen, konnten aber naturgemäß nicht zufriedenstellend behandelt werden.

Ab 22:00 Uhr ging es dann nahezu unter dem selbstgewählten Ausschluss der Öffentlichkeitweiter mit der Beratung der Anträge.Hier setzte der Ortsbeirat seine ständige Übung des maximalen Konsens weiter fort und dementsprechend wurden die meisten Anträge dann auch (mehr oder weniger) einstimmig angenommen. Dabei kann sich auch durchaus Korrioses ergeben. Ein durch alle Fraktionen gestellter Antrag auf finanzielle Unterstützung des Urban-Gardening-Projektes wurde wieder zurück gezogen, weil sich nach Antragsstellung bei einem Vor-Ort-Termin ergeben hatte, dass diese erst einmal gar nicht notwendig ist.

Wie sich etliche Tage später herausstellen sollte, kann zumindest in diesem Jahr diese Unterstützung auch nicht mehr stattfinden, da der Ortsbeirat sein Budget für solche Projekte bereits aufgebraucht hat. Das finde ich in soweit sehr schade, als unter diesem Licht die Unterstützung der Experiminta, der ich nicht zuestimmt hatte, noch einmal eine neue Bedeutung gewinnt.

Ebenfalls meinen Widerwillen riefen die Etatanträge der AfD hervor, die im Wesentlichen und pauschal die Unterstützung für den Frauenbetrieb jumpp und für Broken Rainbow streichen wollten. Hierzu muss man wissen, dass Anträge der Stadtverordnetenfraktionen im Ortsbeirat üblicherweise "unqualifiziert" zur Kenntnis genommen werden. In der Niederschrift wird jedoch ledig stehen "Die Vorlage dient zur Kenntnis." Das ist bei dem Gros der Anträge für mich kein Problem und trage ich in dieser Form auch in der Regel mit. Allerdings gibt es dafür Grenzen und die wurden in meinen Augen in diesen Fällen überschritten.

Dabei ist es nicht etwa so, dass diese Anträge bei auch nur einem Mitglied des Ortsbeirats auf Verständnis oder gar Gegenliebe stoßen würde - beide wurden einstimmig abgelehnt. 

Jetzt kann man debattieren, ob man dauerhaft dieser Art von bewusst provozierenden Auslassungen zukünftig den Raum einräumen soll. Ich bin mir dessen nicht sicher und würde mich freuen in den Kommentaren zu lesen, was ihr darüber denkt.

Soweit von der 21. Sitzung. Die nächste Sitzung ist am Montag, den 14. Mai ab 19:00 Uhr, erneut (laut Ankündigung) im Saalbau Bockenheim. 
https://www.stvv.frankfurt.de/parlis2/parlis.php?DOK=TO-O-2

 

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Kommentare

Buchprojekt

meinst du dieses Buchprojekt?
https://www.mainbook.de/bockenheim-schreibt-ein-buch/

Einen ausführlicheren Kommentar zu der ach so hochproblematischen veganen Ernährung spar ich mir, bis auf die zwei Anmerkungen: Es handelt sich um geringste Mengen von B12, etwas, was es durch die industrialisierte Agrarwirtschaft im Essen leider nicht mehr gibt, und das ich z.b. in einer Zahnpasta in ausreichendem Maße zuführen kann (alternativ durch viel Bier). Und wie so häufig das "und wie viele Essen nachher Fleisch", als ob vegane Ernährung von Leuten betrieben wird, die den Menschen Fesseln anlegen würden (ich habe Veganer als Gruppe deutlich liberaler kennen gelernt, als viele Linke Grüppchen, da würde ich mir also keine Sorgen machen, auch wenn Nicht-Veganer regelmäßig das Gegenteil unterstellen - aber da mag jeder seine eigenen Erfahrungen haben).

Danke für den Bericht!

Danke für den Hinweis

Das ist das Projekt, was ich meinte. Herzlichen Dank für den Link.

Selbiges gilt für die Anmerkungen zur veganen Ernährung, auch wenn ich "viel Bier" bei Kindern jetzt etwas drastisch finde. ;-)

Falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich halte alle Veganer, oder auch nur die Initiatoren der Kita für unverbesserliche Missionare, möchte ich das an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich korrigieren. Die Frage, ob Kinder, die früh an vegane Ernährung herangeführt worden sind, später Fleischesser werden oder nicht, ist nach meiner Erfahrung auch eher eine, wie ausgeprägt das Bedürfnis ist, sich von seinen Eltern unterscheiden zu wollen. Früher nannte man das Trotzphase; ich finde Autonomiephase nicht nur schöner, sondern auch treffender.

Mir persönlich ist es vollkommen egal, was ein Mensch zu sich nimmt, solange er das selbstbestimmt macht, auch wenn es sicherlich (in vielfacher Richtung) problematische Essgewohnheiten gibt. Bei Abhängigen - und vielleicht geben Sie / gibst du mir dahingehend Recht - ist es aber durchaus Pflicht der Politik, genauer hinzuschauen, gerade, wenn das auf der Ebene einer Kita durchgeführt werden soll.

Für einen zumindest halbwegs neutralen Link zu der Gefahr der Mangelernährung wäre ich dankbar. Was ich bisher finden konnte diskreditiert sich in schöner Selbstverständlichkeit selbst durch entsprechende Werbung oder gar Shops. :( Zumindest das Bundeszentrum für Ernährung weißt aber noch auf Eiweiß, langkettigen Omega-3-Fettsäuren, Kalzium, Eisen, Jod, Zink, Selen und den Vitaminen D und B2 hin.