Bericht zur allgemeinen Bürgerfragestunde der 42. Sitzung des Frankfurter Ortsbeirats 4 für Bornheim und das Ostend am Dienstag, dem 30. Juni 2015

von Richard

Vorstellung des Frankfurter Schulentwicklungsplans
Nach massiven Beschwerden von Eltern zu Engpässen beim Zugang ihrer Kinder zu wohnortsnahen weiterführenden Schulen in der April-Sitzung des Ortsbeirats 4 kam es nun zwei Monate später in der Juni-Sitzung zur Vorstellung des Frankfurter Schulentwicklungsplans 2015-2019. Akut entlastet dieser Plan weder Eltern noch Schulämter beim Versuch freie Plätze in ortsnahen Gymnasien für das kommende Schuljahr zu finden bzw. mehr Kapazitäten zu schaffen. Mittelfristig wird jedoch für Entlastung gesorgt werden. Denn Frankfurt wächst und die Schulinfrastruktur muss in den alten wie neuen Stadtteilen Schritt halten. Zu den bereits achtzig existierenden Grundschulen sollen innerhalb von fünf Jahren fünf hinzukommen und dreizehn erweitert werden. Neben der Erweiterung von Kapazitäten werden auch bildungspolitische Vorgaben im Hinblick auf die Förderung von sprachlich und anderweitig benachteiligten Schülern umgesetzt. Soll heißen, mehr Einbeziehung (Inklusion) und weniger Ausgrenzung.

Zum Beispiel werden alle ausgrenzungsfördernden Sonderschulformen abgeschafft und die Lehrer in die allgemeinbildenden Schulen übernommen. Darüber hinaus wird für mehr und mehr Betreuung gesorgt, was beruflich strapazierte Eltern und Alleinerziehende weitere Entlastung bringen soll. Zehn Frankfurter Grundschulen halten bereits ausreichende Betreuungsplätze vor und diese Zahl soll in den nächsten fünf Jahren Zug um Zug erhöht werden. Bezogen auf den Ortsbezirk 4 wird die Kirchnerschule erweitert werden und bald einen zusätzlichen Klassenzug erhalten. Die entsprechenden Baumaßnahmen erlauben dann auch die Einrichtung einer Cafeteria. Die Einrichtung neuer Grundschulen im Ostend befindet sich beim Schulamt zwar auf dem Radar, die Planungen hierfür gehen aber noch nicht in den vorgelegten Schulentwicklungsplan ein.

Straßenbenennung gerät im Ortsbeirat zur Posse
Entlang der Ferdinand-Happ-Straße, eine neue Parallelstraße zur Hanauer Landstraße, gibt es im Bebauungsgebiet des Schwedler-Carrés neue Straßen zu benennen und eines der wenigen Vorrechte der Ortsbeiräte in Frankfurt ist es, dies zu tun. Neben der bereits existierenden Otto-Meßmer-Straße sollen nun noch eine Hans-Latscha und eine Gref-Völsing-Straße hinzukommen. Der Doppelname Gref-Völsing steht für die bekannte Frankfurter Metzgerei mit ihrer noch mehr bekannten Rindswurst. Da der Doppelname im Format aus einem Vor- und Familienname der beiden anderen Straßen herausfällt, kam die Idee auf, ihn durch „Karl-Gref-Straße“ zu ersetzen. Auch die Familie der Metzgerei hätte nichts dagegen, den männlichen Anteil „Karl Gref“ gegenüber der weiblichen Linie „Wilhelmine Völsing“ in den Vordergrund zu stellen. Dagegen erregte sich erstens eine Stimme aus der Ecke der GRÜNEN und zweitens eine wohl informierte Stimme aus dem Plenum, die beschwor, dem Flirten des in der Nachbarschaft liegenden Medienkonzerns „Publicis-Groupe S.A.“ aus Frankreich nicht zu erliegen. Er, der Konzern, würde sich zu gerne selbst ein Denkmal für Werbezwecke setzen und die Gref-Völsing-Straße alias „Karl-Gref-Straße“ in „Publicis-Straße“ umbenennen wollen. Danach wurden die Gespräche zur Namensgebung in den nicht öffentlichen Teil der Sitzung verlegt, also dahin, wo sie ursprünglich geplant waren und zumindest, rein technisch nach Geschäftsordnung, auch hingehören. Sieht man mal in den Stadtplan, so erkennt selbst der Laie sofort, dass es sich hier nicht um Straßen im eigentlichen Sinne sondern eher um kleinste Gässchen handelt, die weder diese Diskussion im Ortsbeirat noch überhaupt einer Würdigung als Straße verdienen, sondern entlang der Ferdinand-Happ-Straße einfach durchnummeriert werden sollten. Und wenn schon Straßenbenennung, so könnte ein Kompromiss hinter verschlossenen Türen doch „Karl Gref-Völsing-Straße“ lauten. Nebenbei zur Information: das Hauptquartier der französischen Publicis Groupe S.A. befindet sich mitten auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris und die Vorstellung, sich eines Wurmfortsatzes der Ferdinand-Happ-Straße bemächtigen zu wollen, fällt doch eher unter die Kategorie von Verschwörungstheorie. Der Gründer der Agentur, Marcel Bleustein-Blanchet, französischer Widerstandskämpfer und einer der größten Werbemagnate aller Zeiten hätte sich sicherlich zu Lebzeiten auch einen größeren Wurf vorgestellt. 

Die nächste Sitzung des Ortsbeirats findet voraussichtlich am 8. September 2015 um 19:30 Uhr in den Räumen der Saalbau Bornheim in der Arnsburger Straße statt.

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