Dies ist eine Veröffentlichung in der Rubrik Piratengedanken.

Piratengedanken sind Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder. Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung! 

 

 

Mein Fazit nach der Wahl

(ursprünglich auf der PPH, Piratenpartei Hessen Mailingliste geschrieben, ein Piratengedanke von Fredo, Mitglied im KV Frankfurt Piratenpartei)

Piratenpartei quo vadis?

Ich habe mir - wie sicher viele von Euch - nach der Wahl die Frage gestellt, wie es mit der Partei weiter geht und ob das für mich so noch Sinn macht.

Drei Faktoren erscheinen mit wichtig:

  1. Sind unsere gesellschaftliche Analyse, unser Menschenbild oder unsere Inhalte falsch?
  2. Ist die Organisationsform als Partei auch unter $Prozenthürden sinnvoll?
  3. Will ich da weiter Freizeit und Energie reinstecken?

1. Sind unser gesellschaftliche Analyse, unser Menschenbild oder unsere Inhalte falsch?
Konform gehen wir sicher in der gesellschaftlichen Analyse, dass wir eine Gesellschaft (zurück?) wollen, in der Menschen frei, unabhängig, mit Zugang zu allen relevanten Informationen Ihre Meinung austauschen, bilden, abstimmen können. Das erscheint mir nach wie vor extrem wichtig, ja seit einem Jahr sogar noch existenziell bedrohter als vor fünf Jahren.
Unser Menschenbild geht (hoffe ich) von einem freien Individuum aus, das sich als soziales Wesen mit anderen austauschen will. Das finde ich bei uns ebenfalls wieder. Von Bürgerrechten bis zum Konsumenten ist es sinnvoller, Dinge selbst zu bestimmen und nicht auf Monopolisten angewiesen zu sein. Dezentrale Strukturen und Selbermachen befreien von zentraler Organisation, die systemimmanent zuviel Macht akkumuliert.
Unser Programm drückt alles das aus. Also passen für mich auch unsere Inhalte (sehr sogar).

2. Ist die Organisationsform als Partei auch unter $Prozenthürden sinnvoll?
Wir sind der Teil einer größeren, diffuseren Bewegung, der für sich entschieden hat, die Veränderung über den Parteienweg zu beschreiten. Trotz des Bashing aufs Parteiengesetz halte ich die Organisationsform für geeignet. Solange wir nicht noch mehr Wählerstimmen verlieren, können wir Parteien mit unseren Forderungen vor uns hertreiben. Wichtig ist der Zugang zu Parlamenten, um als "Bürgertrojaner" Informationen aus dem System zu saugen und zu verbreiten.
Das hat alles noch nichts mit Regierungsverantwortung zu tun, aber auch diese sollten wir anstreben, evtl. auf dem tollen "Umweg" Fraktionszwänge aufzubrechen. Das gelingt übrigens nur, wenn wir uns NICHT dogmatisch in überkommenen rechts/links Schemata einsortieren lassen.

3. Will ich da weiter Freizeit und Energie reinstecken?
Nun kommen wir zu den Spaßbremsen. Und das meine ich wörtlich.

Denn mit Spaß kommunizieren wir, das wir nicht die xte Irgendwaspartei nach altem Schema sind.
Mit Spaß sind die Aktiven motiviert.
Mit Humor lassen sich viele Inhalte auch besser transportieren, insbesondere in sozialen Netzwerken.

Mir macht es Spaß, frei mit Anderen meine Ansichten zu diskutieren, so bilde ich mir u. a. meine Meinung. Da braucht es weder Dogmen noch Denkverbote und auch niemanden, der das als Bühne für sich oder als Therapieplatz nutzt.
Mir macht es Spaß, spontane Aktionen umzusetzen. Aber das Hirn sollte man vorher schon mal einschalten, wie eine Aktion evtl. in der Wahrnehmung bei anderen ankommt.
Mir macht es Spaß, Lösungen zu konkreten gesellschaftliche Fragen zu suchen ohne über die Form meiner Worte, der gewählten Anreden, oder sonstige Nebensächlichkeiten den Diskurs versacken zu lassen.
Und mir macht es richtig Spaß, unser Programm, unser Menschenbild, etc. allen Bürgern unter deren Einbindung näher zu bringen, dafür zu werben und unsere Argumente dem politischen Mitbewunderer ins Gesicht zu sagen.

Also müssen wir uns vor Spaßbremsen schützen, wo immer das nötig ist. Damit wir wieder hauptsächlich Politik machen und keine Nabelschau.
Was wir nämlich dringend brauchen, ist die Einhaltung unserer Versprechen, die wir der Gesellschaft gegenüber gemacht haben:
Ich will Meinungsbildungs- und Abstimmungstools online. Ja das geht, auch wenn ich bisher auch nur für den BEO stimmen konnte.
Ich will einen Diskurs mit anderen politischen Ideen und vor allem mit Bürgern, auch über deren Alltagsprobleme, auch mit Verbänden, Initiativen etc. die sich für konkrete Anliegen einsetzen.

Das macht Spaß, darauf sollten wir uns konzentrieren und so lautet meine Antwort: Ja, es ist für mich sinnvoll, weiter Zeit und Energie reinzustecken.
(und nein, das ist keine Bewerbung für ein Amt, ich mache gerne das mit den Projekten...)

Gruß,
Fredo

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