Tag der öffenen Tür von Stadtteilbüro Bockenheim und ExZess

Einladung Tag der offenen Tür

Das Stadtteilbüro Bockenheim und das ExZess hatten eine wundervolle Idee: Warum nicht einmal einen gemeinsamen Tag der offenen Tür veranstalten? Am Sonntag, den 25.03. war es dann soweit und bei schönstem Sonnenschein strömten erst langsam doch stetig Sympathisantinnen und Sympathisanten, interessierte Bürgerinnen und Bürger oder einfach Neugierige in die benachbarten Räumlichkeiten.

Im Stadtteilbüro war eine sorgsam erstellte Ausstellung zu bewundern, die die Geschichte des Gebäudes vom Gasthaus, über Kriegslazarett, Kino, Luftschutzbunker, erneut Kino, Großbäckerei und Reinigung bis zum heutigen ExZess zu bewundern. Viele Dokumente, die Zeitzeugen der Auseinandersetzungen um das autonome Zentrum, wie auch innerhalb desselben sind, komplettierten das Bild. Erschreckend für mich war und ist, wie sich die Argumentationenlinien gegen den Erhalt von heute und damals ähneln. Noch erschreckender ist allerdings, dass selbst die Probleme der letzten 30 Jahren heute noch unverändert sind.
Nur eine kleine Auswahl:

  • Ein Plakat aus dem Jahre 2000 thematisiert die Propaganda und Hetze von Rechts im Digitalen Raum
  • Eine Schrift lädt zu einer Veranstaltung ein, auf der das Problem von Angriffe auf Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, diskutiert wurde.
  • Und natürlich nahmen steigende Mieten und die Gentrifizierung des Viertels einen breiten Raum ein.

 Währenddessen lud das ExZess zu Kaffee, Kuchen und anderen Leckereien ein. Alles natürlich gegen Spende, kein Zwang, Solidarität ist das Zauberwort. Wer die Räumlichkeiten noch nicht so gut kannte, schlenderte ungezwungen durch das Foyer, die Halle oder den Infoladen mit seiner erstaunlichen Ausleihe und dem wirlich beeindruckendem Archiv. Oder man nahm an einer der Führungen teil und bekam noch interessante, teils amüsante Fakten dazu geliefert.

Was mich sehr fasziniert hat, ist das weite Spektrum der Personen. Das Alter reicht von 14 bis weit über 60, Punker sitzen neben "gut-bürgerlichen" und alle reden miteinander statt übereinander; Erfahrungsaustausch ist eine tatsächlich gelebte und (be-)greifbare Kultur.

Ab 16:00 Uhr gehörte die Halle dann den Jonglierenden. Zwischen den kunstvoll Agierenden tummelten sich neugierige Kinder, es wurde ausprobiert oder zugeschaut, gelacht und gestaunt. Mich hat es von der Atmossphäre her ein wenig an die Herman van Veen Filme aus meiner Kindheit erinnert und hatte eine ganz eigene Magie. Ihm schloss sich eine kurze Vorführung von Thorsten Morawietz, Mitbegründer und Leiter der Dramatischen Bühne, an, die den speziellen Stil, den sich dieses Theater erarbeitet hat, gekonnt zur Schau stellte.

Ab 18:00 Uhr traf man sich erneut aus ernstem Anlass in der gut besuchten Halle. Auf dem Podium und mit dem Publikum wurde die Gentrifizierung Bockenheims und die aktuellen Bedrohungen des ExZess diskutiert. Bei Letzterem wurde schnell klar, dass die Angriffe von mehreren Seiten gefahren werden. 

Zum einen ist dort die politische und politisch motivierte publizistische Seite. Allen voran sei die FDP genannt, deren Vertreterin und Vertreter aus dem Ortsbeirat, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit in einem Antrag unter dem Deckmäntelchen der "Transparenz" unverholen einen Abriss der ExZess forderten. Hier wäre die Möglichkeit gewesen, sich Informationen und Eindrücke aus erster Hand zu holen und das Datum war bekannt. Aber vielleicht hätten - und hier werde ich polemisch - die wohlbehüteten Vorurteile ja Schaden nehmen können.

Überhaupt war die Teilnahme aus Ortsbeiratskreisen recht dürftig. Gesehen habe ich ein Mitglied der CDU und eines der Linke.

Auf der anderen Seite haben wir die Baustelle auf dem direkten Nachbargrundstück, auf dem Eigentumswohnungen für schlappe 750.000,- Euro entstehen. Offenbar nicht genug Geld, um damit auch noch einen Schallschutz der Wohnungen gegenüber dem ausgewiesenen Veranstaltungsort zu realisieren. Hier ist der zukünftige Ärger eigentlich zum Greifen nahe. Überhaupt scheint die Bauausführung zumindest fragwürdig. So ist berichtet worden, dass erst vor Kurzem eine 7 Meter lange Mauer umgefallen sei und ein Auto unter sich begraben hätte. Dass die Brandschutzmauer des ExZess beim Abriss des Hauses beschädigt wurde, ist ja bereits durch die Presse gegangen und nun soll wohl auch das geplante Fundament Probleme mit sich bringen.

Dabei hätte es gar nicht soweit kommen müssen, womit ich in den Themenkomplex Gentrifizierung springe. Die Stadt hätte durchaus ihr Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen können und aus meiner Sicht müssen! Doch dies geschah nicht nur in diesem Fall nicht, es wird ohnehin nur verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen. Dabei ist aktuellen Berichten zu entnehmen, dass mittlerweile jeder zweite Einwohner Frankurts ein Anrecht auf eine Sozialwohnung hätte. Statt dessen fällt im Ortsbezirk eine Wohnung nach der anderen aus der Preisbindung heraus, ohne dass Ersatz geschaffen würde. Die Regularieren zur "energetischen Sanierung" auf Bundesebene tun ihr Übriges, um bezahlbaren Wohnraum effizient zu vernichten. Wenn 11% der Kosten ohne Rücksicht auf den Mietspiegel oder eine "Mietpreisbremse" auf die Miete umgeschagen werden dürfen, ist dies nichts anderes als eine Einladung zur legalen Entmietung einkommensschwacher Mieterinnen und Mieter und eine effektive Gelddruckmaschine. Bereits im zehnten Jahr hat sich die Investition praktisch armortisiert, der Rest ist reiner Gewinn.

Erste Vorschläge, wie bezahlbarer Wohnraum sowohl erhalten als auch geschaffen werden könnte, wurden angesprochen. Doch wurde auch deutlich, dass dieser eine Abend nicht genug sein kann. Daher wird man an Möglichkeiten arbeiten, die unterschiedlichen Aktionsgruppen in diesem Bereich zusammen zu bringen und mit den Bürgerinnen und Bürger unseres Viertels Konzepte zu entwickeln, wie wir uns der Gentrifizierung Bockenheims entgegen stellen können.

Ich würde mich freuen, wenn der Ortsbeirat hier mit ins Boot geholt werden würde, denn von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, sehe ich hier eine breite Unterstützung im Gremium. Ich stehe hierfür auf jeden Fall zur Verfügung.

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass ich den Veranstalterinnen und Veranstaltern zu einen sehr gelungenen Tag gratulieren möchte und mich dafür meinerseits sehr herzlich bedanke.

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