Dies ist eine Veröffentlichung in der Rubrik Piratengedanken.

Piratengedanken sind Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder. Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung! 

 

 

Verzicht auf Studiengebühen sichert Pfründe der Mittel- und Oberschicht?

Ein Piratengedanke von Herbert Förster, Bundestagskandidat der Piratenpartei Hessen:

Josef Joffe plädiert in einem Kommentar für Studiengebühren und für Ausnahmen für die "Wirklich bedürftigen Studenten". Er sieht in dem Verzicht auf Studiengebühren keine Gerechtigkeit. Stattdessen vertritt er die Meinung, die Privilegien der Mittel- und Oberschicht würden untermauert werden.

Ich möchte solchen Thesen wie Joffe sie vertritt, klar widersprechen. Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit müssen die wichtigsten Ziele einer modernen Gesellschaft sein. Unabhängig von der Würde der "wirklich bedürftigen Studenten" ist der Staat in der Pflicht, Bildung für jeden Menschen, in jedem Alter, sicherzustellen - unabhängig von seiner Herkunft. Jeder Mensch in diesem Land muss die Möglichkeit erhalten, seine Talente und Stärken optimal zu nutzen. 

So wird zudem die Gemeinschaft als Ganzes gestärkt.
Eine Verantwortliche Politik, die zukunftsorientiert sein will, wird nicht im Bildungsbereich sparen, sondern diesen statt dessen ausbauen. Die Kosten sind, so wie ich es sehe, noch nicht mal in ein Verhältnis zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu stellen. Warum also Studiengebühren? Warum Kindergartenbeiträge? Vom Staat getragene Universitäten, welche die Ergebnisse ihrer Arbeit und Studien der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, dienen der Gemeinschaft und helfen dieser, sich immer weiter zu entwickeln. Wenn Menschen aus der, in dem Artikel nicht genannten Unterschicht, die Möglichkeit erhalten, ein kostenloses, vom Staat finanziertes Studium anzutreten und abzuschließen, würde mehr für die soziale Gerechtigleit in diesem Land getan als es jeder Sozialtransfer leisten könnte. Die Schere zwischen Arm und Reich - die derzeit immer weiter aufgeht -  ließe sich über diesen Weg sehr schnell wieder schließen.

Aus diesen genannten Gründen müssen die Ausgaben für Bildung steigen. Angefangen bei der Kinderbetreuung, über Ausgaben für Schule, bis zu den Investitionen für Studium und Erwachsenenfort- und Weiterbildung. Letzlich ist eine gut finanzierte Bildungspolitik die beste Form einer modernen Sozialpolitik.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Bis bald
Herbert

Foto: Piratenpartei SchwabenBY-NC-SA

Noch keine Bewertungen vorhanden

Kommentare

Studiengebühren sind nur ein kleiner Teil des Problems

Die Studiengebühren-Debatte geht leider etwas am eigentlichen Problem vorbei: Wie Du ja auch andeutest gibt es ein Teilhabeproblem bezüglich Bildung an sich (plus Gesundheit plus Soziales - muss man eigentlich immer zusammen denken).
Die Befürworter von Studiengebühren haben insofern recht, als ein System, das schon stark selektiert bevor die Leute an die Hochschulen kommen, eigentlich ein viel größeres Problem darstellt, als es Studiengebühren jemals tun werden. Dummerweise sind die Menschen, die vorher schon rausfliegen und gar keine Chance zum Erwerb der Hochschulreife erhalten, auch kaum in der Lage sich zu organisieren. Deswegen werden sie überhaupt nicht wahrgenommen, normalerweise auch nicht von Studiengebühren-Gegnern.
Andererseits ist das ja alles noch keine valides Argument FÜR Studiengebühren.

Ein zweites Problem ist die Quersubventionierung und Besserstellung von Studierenden gegenüber anderen Menschen mit geringem (möglicherweise sogar sehr viel geringerem) Einkommen. Es ist vollkommen irrational, dass Studierende viel weniger für Mobilität (Semesterticket) oder alle möglichen anderen Dinge bezahlen (z.B. Krankenversicherung oder Eintrittspreise in Museen, Schwimmbäder) und auch was die Sozialabgaben angeht bevorzugt werden.
Denn es gibt immer wieder und immer mehr Menschen, die über weniger Geld verfügen, nur eben nicht an einer Hochschule eingeschrieben sind (vielleicht haben sie keine Zugangsberechtigung). Außerdem werden hier wirtschaftliche Anreize gesetzt, sich unabhängig vom realen Interesse an einem Studium einfach mal einzuschreiben (Mitnahmeeffekte).

Zuletzt gibt es m.E. insgesamt ein Problem mit Bildungsabschlüssen und dem Streben danach. Nicht nur wegen des daraus entstehenden Anreizes zum schlichten Betrug (siehe Guttenberg, Koch-Mehrin u.a.). Es ist auch grundsätzlich fraglich, wieweit sich das Bildungsideal der Aufkärung ("Denk selbst") über ein System abbilden lässt, in dem letztlich die Bildung eines Menschen von außen bewertet und in Noten ausgedrückt wird.
In dem Zusammenhang ist der Gedanke nicht völlig abwegig, dass es bei einem Hochschulstudium - zumindest auch - um ein Geschäft geht, bei dem sich Menschen (die oft schon aus einem bestimmten Milieu stammen) mehr oder weniger den Zugang zu bestimmten Jobs oder einer bestimmten Schicht "kaufen". Freilich mit Geld und Lebenszeit. Und es bleibt dann nur zu hoffen, dass auch etwas Bildung dabei abfällt...

(Eric Manneschmidt)