Wenn der Straßenverkehr zum Verhängnis wird

Wenn der Straßenverkehr zum Verhängnis wird

Innerhalb des letzten halben Jahres starben in unserer Stadt Frankfurt am Main drei Menschen, während sie auf ihren Fahrrädern unterwegs waren. Ein 57-jähriger Radfahrer wurde von einem Auto, das über eine rote Ampel fuhr, überfahren. Ein 34-jähriger Mann wurde von einem abbiegenden Sattelzug übersehen und bei dem dritten tödlich verunglückten 77 Jahre alten Opfer sprechen die Ermittler der Polizei von einem Unglück, bei dem der Radfahrer stürzte und dadurch unter den LKW geriet[1].

Welche möglichen Lösungen bieten sich, damit solche Unglücke vermieden werden können? In einen Unfall im Straßenverkehr kann jeder Verkehrsteilnehmende, egal ob zu Fuß, auf Rädern oder Rollen, motorisiert oder nicht, verwickelt werden. Unfallursachen gibt es viele: Manche Unfälle geschehen in unübersichtlichen Verkehrssituationen, im Regen oder Gegenlicht, durch menschliche Fehleinschätzungen oder unzureichende Erfahrung. Einige Unfälle sind nach wie vor unvermeidbar.

Doch oftmals ist Unaufmerksamkeit, Termindruck, Risikobereitschaft oder fehlendes Gefahrenbewusstsein die Ursache, wenn Menschen in Unfälle verwickelt werden. Überhöhte Geschwindigkeit ist weiterhin eine der häufigsten und gleichzeitig vermeidbarsten Ursachen für Verkehrsunfälle[2], aber auch viele Kleinigkeiten verursachen Schaden an Blech, Körper und Leben. Der eine hat Kopfhörer im Ohr, der nächste telefoniert beim Fahren und wieder ein anderer macht beim Abbiegen keinen Schulterblick und am Ende ist der schwächere Unfallbeteiligte fast immer das Opfer.

"Verkehrsadern - welch' blutige Bahnen", schreibt der Diplom-Bibliothekar und Autor Martin Gerhard Reisenberg[3] und beschreibt damit das letzte halbe Jahr im Frankfurter Stadtverkehr bedauerlicherweise sehr gut.

Doch was kann getan werden, damit alle Beteiligten im städtischen Straßenverkehr sicher an ihrem Ziel ankommen?

Einsatz von Assistenzsystemen:

Bereits 2011 existierten die ersten Prototypen von Abbiegeassistenten. Damals durften Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sich auf dem Testgelände von Daimler Trucks die neue Technologie anschauen[4]. Wo stehen wir heute Ende 2019, um Fußgänger und Radfahrende zu schützen? Leider wird die europaweit verpflichtende Einführung noch lange auf sich warten lassen: ein Abbiegeassistent ist für neue Fahrzeugtypen ab 2022 und für neue Fahrzeuge ab 2024 verpflichtend. In Deutschland hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 2018 deshalb die "Aktion Abbiegeassistent" ins Leben gerufen, bei der sich Unternehmen freiwillig selbstverpflichten können Abbiegeassistenten einzuführen. Seit Sommer 2019 nehmen u.a. auch kommunale Betriebe an der Aktion teil[5].

Angebot und Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings:

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) entwickelt seit den 70 Jahren gemeinsam mit seinen Mitgliedern Sicherheitstrainings, insbesondere mit dem Schwerpunkt "Fahrphysik", wie reagiert das Fahrzeug, wie muss sich die Person am Steuer entsprechend verhalten[6]. Dabei ist nicht nur ein Sicherheitstraining empfehlenswert. Vor allem nach Fahrzeugwechseln sollte immer mal wieder nachgelegt werden, weswegen Trainings mit dem eigenen Fahrzeug besonders empfehlenswert und in der Regel auch kostengünstiger sind[7]. Fahrsicherheitstrainings werden unterdessen nicht nur für Kraftfahrzeugfahrende, sondern auch für Radfahrende (in Fahrschulen des ADFC[8]) angeboten. Inhalt dieser Trainings ist nicht nur das sichere Fahren und der Umgang mit dem Fahrrad, zusätzlich wird auch das richtige Verhalten im Straßenverkehr intensiv geschult.  

Verantwortungsbewusstsein erzeugen:

Jeder Straßenverkehrsteilnehmende ist für die Risiken, die dabei für sich und andere entstehen, zunächst selbst verantwortlich. Es ist trotz der gesetzlichen Regeln, beispielsweise die eigene freie Entscheidung, an einer roten Ampel auch tatsächlich stehen zu bleiben. Sich in andere Verkehrsteilnehmende einzufühlen, hilft Risiken zu minimieren: Was kann der andere von seiner Position aus sehen? Was möchte er am Wahrscheinlichsten tun? Jeder kann sich bewusst entscheiden, aktiv und vor allem aufmerksam am Straßenverkehr teilzunehmen. Wer aufhört, mitzudenken und hinzusehen, weil er abgelenkt ist, gefährdet sich selbst und andere Personen. Dazu gehört auch, bei jeder Begegnung mit einem LKW innerhalb einer Stadt besondere Sensibilität walten zu lassen. Lastwagenfahrende können kaum permant ihr komplettes Umfeld im Auge behalten, während sie schon vom Manövrieren ihres großen Fahrzeugs durch den dichten Verkehr und enge Straßenschluchten gefordert sind.

Wir Piraten wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Du Dich im Straßenverkehr sicherer fühlen kannst und fordern deshalb:

  • Einen starken und gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr als Mittelpunkt aller zukünftigen Verkehrskonzepte; und das am besten „fahrscheinfrei“[9]
  • Eine stärkere Überwachung bei der Einhaltung der Straßenverkehrsordnung durch die Polizei (siehe auch die StVo-Novelle 2019[10]
  • Fußgänger- und fahrradfreundliche Innenstädte mit z.B. räumlich getrennten Fahrradwegen oder in engen Straßen das Parken von Fahrzeugen nur auf einer Seite zu erlauben, damit der Sicherheitsabstand zum Radfahrenden eingehalten wird

In den letzten 30 Jahren hat die Politik ihre Aufgabe der Grundversorgung im Bereich des Straßenverkehrs versäumt, so dass Deutschland nun den Anschluss verloren hat[11]. Es gibt viel Nachholbedarf, lasst uns keine Zeit verlieren!

Autoren: Lisa Römer und Klemens Winterer

 

Kommentare

Schutzhelme

Der ADFC empfiehlt, dass jeder Fahrradfahrer auch einen Helm tragen müsse, dadurch unterscheide er sich in einem kurzen Hinschau-Moment sofort von einem Fußgänger und schütze sich noch bei einem Sturz

Auch wird oft die Geschwindigkeit , gerade bei den E-Bikes unterschätzt vom eigenen Fahrer. Gerade ältere Menschen unterschätzen die eigene Geschwindigkeit enorm.
Tanja Förster